Nikolaus 2011
Das ist eine moderne Weihnachtsgeschichte:
Alles war im Euro-Garten wohlgeordnet. Jede Vogelfamilie hatte ihren eigenen Baum, drum herum Wiesen und Felder, manche hatte einen Bach oder gar einen See mit Vogelinseln.
Alte Streitigkeiten waren längst vergessen. Alles gab es in Hülle und Fülle. Die Sperlinge besaßen den mittleren Baum, sie fraßen recht viel und düngten damit ihren Baum. Der wuchs und wuchs. Die Sperlinge waren recht fleißig und bauten immer noch schönere und größere Nester. Die auf der Sonnenseite waren ganz friedlich, aber die, die auf der kalten Nordseite wohnten, waren manchmal auf die südlichen etwas neidisch. Sie wurden von den Nordlichtern etwas verächtlich nur die "Spatzen" genannt. Von dem vielen Samen auf den Feldern horteten sie große Mengen und alle wurden fetter und fetter.
Das merkten auch die andren Vögel und wurden recht neidisch.
Die Hähne vom benachbarten Baum machten ganz große Augen, ihr Kamm schwoll an und ihr oberster Gockeler schmeichelte: ach ihr Sperlinge, lasst uns doch gemeinsame Sache machen und die Felder zusammen abernten. An Dünger fehlte es nicht, so wurden beide immer reicher.
Das merkten natürlich auch die Paradiesvögel aus dem warmen Süden. Sie hatten einen potenten Pfau als Boss, der die anderen Vögel, vor allem so manche Schwalben, vor allem die vom Bordstein, gewaltig beeindruckte. Und so durften auch sie an der gemeinsamen Ernte mitmachen.
Das fiel wiederum den heiligen Ibisen aus den Tempelstädten im heißen Süden auf. Sie waren hervorragende Picker und hatten die Gegend systematisch beschissen. Bald meinten sie, dass sie doch mehr höheren Zielen nacheifern sollten, denn die einfachen Arbeiten sollen doch diejenigen machen, wo es nicht so heiß ist, dass man bei der Arbeit schwitzen müßte. Sie beteten lieber in ihren Tempeln, vor allem aber an den Gestaden des Meeresgottes in der Sonne. Auf ihren eigenen Feldern wuchs aber immer weniger, so dass sie einfach immer wieder Ausflüge auf die fremden Felder machten.
Und dann waren noch die Kakadus. Mit zackigem Temperament tanzten sie Flamenco und unterhielten alle Mitvögel. Ihnen war ihr bescheidenes Nest auch nicht mehr gut genug. Es wurde geplant, gebaut, viel unnötiges Schnickschnack. Villen, Straßen, Landebahnen schafften sich die schönen Tänzer auf Kosten der anderen an. In der Zwischenzeit ist vieles nicht für die Vögel, sondern für die Katz.
Das zog sich und zog sich. Niemand wollte mit all den stolzen Machos streiten. Aber als die ganze Kacke so richtig am Dampfen war und schon zum Himmel stank, schaute der Pfau erst mal nach wie es mit Vögeln steht (Vögeln natürlich groß geschrieben). Prächtig stellte er sein Rad und sonstiges und das war nicht ohne Wirkung. Bunga Bunga war jetzt sein Hauptinteresse. Seine Paradiesvögel bekamen glänzende Augen, und das hatte Wirkung auf ihre Artgenossen. Bei solch tollen Vorbildern verzichteten sie ebenfalls auf harte Arbeit und vergnügten sich lieber, und schauten nach den Vorräten der biederen Sperlinge.
Eine Menge der schönen Nester und viele der tollen Dinge sind wie gesagt für die Katz. Nester bieiben leer und kein Vogel könnte sie sich leisten. Aber wer soll das bezahlen? Natürlich die Spatzen. Da waren sich alle schnell einig. Diese kriegten schon einen dicken Kropf. Keiner wagte was zu sagen.
Endlich fand sich da ein grauer Spatz, ganz unscheinbar, etwas klein aber besonnen. Der muckte es der ganzen bunten Vogelschar, dass denen das Fliegen verging. Sie beschimpften ihn "Du frecher Spatz, du Dreckspatz".
Aber da kamen sie an die Richtige, denn es war eine Sperlingsfrau. Die ließ vielleicht die großen Vögel tanzen, bis denen Hören und Sehen verging. Alle mussten stramm stehen und es wurde festgelegt, dass keiner mehr aus einem fremden Topf picken darf. Die Vogelfrau war die Tugendhafte, "Die Königin der Nacht" wurde sie genannt, weil sie nächtelang die Machos bearbeitete. Alles wurde protokolliert. Aber alles war nur auf vergängliche Blätter gekraxelt, mit Vogelklauen.
Und was geht mich mein Gekrächze von gestern an. Schon bald ging es wieder los mit dem Picken aus dem fremden Acker.
Und unversehens hatten die feinen Machos die kleine Vogelfrau noch kräftig gerupft. Da ging das Gekreische im Spatzen-Baum wieder los. Wer sorgt jetzt für das Futter für all die Schmarotzer. Die unteren Spatzen sollten die Zeche zahlen. Ein paar ganz Böse fingen sogar mit gegenseitigem Hacken an.
Auch auf den anderen Bäumen gab es furchtbares Geschrei. Manche wollten ja wirklich etwas kleinere Sprünge machen und nur noch Senfsamen fressen. Aber die meisten wollten wieder ihre dicken Nüsse und Maden. Viele mussten sich mit der Rinde begnügen, wie der Specht. Aber was kam da heraus: Harz, das schmeckte überhaupt keinem.
Schon hörte man es über ihren Köpfen rauschen. Das war die Geierfamilie. Sie kreiste immer öfter und tiefer und der oberste Pleitegeier holte sich schon mal einen um den anderen Vogel. Sie wollten vor allem die fetten Paradiesvögel packen, aber die waren wendig und aalglatt. Da packten sie halt wieder die Spatzen.
Man fragte bei den Kranichen aus dem Fernen Osten an, ob sie nicht was in den Futtertrog werfen könnten. Natülich sagten die, abe wie wolle Acke und Wiese mit Baume kliegen.
Da waren die Vögel entsetzt.
Viele Vogelfrauen von den meisten Bäumen beklagten sich, dass sie die Jungen nicht mehr füttern könnten, wenn die großen Frechen alles wegfressen. Die hatten jetzt den Schnabel voll Wut. Zuerst rasten sie noch über die Schloss- und Paradeplätze. Dann aber beschlossen sie allesamt, wir legen keine Eier mehr. Aber nicht nur das, sie zwangen die Vogelmänner endlich Ordnung zu schaffen und nicht ewig nur rumzuzwitschern und zu palavern. Beschlossen: Ab sofort gibt’s keine Turtlerei mehr.
Zuerst gab es ein Riesengekreische. Aber mit der Zeit wurde es ruhiger und ruhiger, die Männer kleiner und kleiner. Feierabend. Kalte Küche mit Schneegestöber. Die ganze Stimmung war weg. Die Vogelfrauen waren frustriert, die Männer beschäftigten sich mit alten, angegorenen Früchten, die sie schnell selig machten ließen, das sie erst recht alle Arbeit und Sorgen vergaßen. Außer den Spatzen arbeitete niemand mehr und die Vorräte gingen zur Neige.
Da kamen die großen Geier auf eine tolle Idee: Es gibt noch genügend Körner und Maden. Es braucht nur jeder einen Schein bekritzeln und er bekommt aus dem großen Vorrat, den die Geier bei den Wölfen entdeckt haben. Allerdings muss man das später wieder zurückbringen.
Aber da ging was ab. Einer nach dem anderen flog nicht mehr nach Afrika sonder zu den Geiern hinterm Ural. Sie bekritzelten und waren glücklich.
Doch irgendeinmal wollten auch die Wölfe etwas zurück haben, und zwar mit Zins und Zinseszins. Da kamen die Geier in große Verlegenheit: Wir wollen jeden Tag eine gute Mahlzeit, sonst werfen wir jeden Tag einen Eurer Bäume um. Da blieb den Geiern nichts anderes übrig, als zu kreisen und jeden Tag fingen sie ein Huhn, oder mal eine Ente oder sogar eine Gans schnappten sie und brachten sie den Wölfen.
Da wurde es ganz stille im Wald. Alle Gesänge verstummten. Todesangst ging um. Es gab nur noch leises, eintöniges Piepen.
Und ständig schwebten die schwarzen Pleitegeier über den Bäumen und holten immer wieder ein Opfer.
Ja, die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Wie sie ausgeht. Ich weiß es nicht.
Ja, drum frag ich Euch. Da brauch ich Euren Rat. Wer hat eine Antwort

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen